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Sturmfahrt für Anfänger Geschrieben von Thomas
Die folgende Geschichte war mir seinerzeit ausgesprochen peinlich. Silas "verpflichtete" ich damals, der Claudia nichts von unserem "Abschleppabenteuer" zu erzählen. Jetzt, da ich den Vorfall zweieinhalb Jahre später aufschreibe, ist das nicht mehr so. Claudia erfuhr davon das erste Mal über diese Internetseite ...
Der Tag ist deutlich kühler als die anderen. Und windig. Mit diesem kräftigen Wind geht die Post heute erst richtig ab - Segeln für Männer - Yeah. Im Raumschotkurs entfernen wir uns immer schneller und immer weiter vom Stützpunkt. Spaß pur - Klasse! Ich fühl' mich wie der Segelprofi bei einer ganz wichtigen Regatta. Das Boot hebt seinen Bug aus dem Wasser und pfeift davon. Silas und ich sind im Geschwindigkeitsrausch. Nun, irgendwann müssen wir ja auch wieder zurück. Das heißt für uns dann kreuzen. Der Wind beginnt jetzt sehr böig zu werden. Diese Böen brechen in immer kürzeren Zeitabständen auf uns herein. Unser Anfängerjollenspaß hat urplötzlich ein Ende. Nicht, dass wir schlagartig und durch Zauberhand zurück am Stützpunkt wären. Noch lange nicht. Nur ist mit einmal jeglicher Spaß vorbei. Jede Bö will die Jolle umwerfen. Jedesmal abfallen und immer lasse ich sofort die Großschot fahren. Das Vorsegel haben wir längst eingeholt (Rollfock). Vielleicht sollen wir besser das Groß einholen? - Wie geht das Reffen beim Groß? Keine Zeit zum Nachdenken oder Nachsehen. Die Strömung drückt uns Richtung Schilfgürtel. Weg davon, also anluven. Wieder eine Böe. Das Heck verschwindet im Wasser. Wasser schwappt ins Cockpit. Doch Silas wirft sich jedesmal auf die richtige Bootseite. Er rettet uns ständig vorm Kentern. Die Böe lässt schnell wieder nach. Sofort das Großsegel dichtholen, Höhe gewinnen. Silas kommt wieder rein aus seiner "exponierten" Stellung. Aber wir machen keine Höhe gut. Keinen Meter. Im Gegenteil. Die nächste Böe. Wieder schwappt das Wasser. Nach jedem Loslassen der Großschot hole ich sie wieder dicht. Jede Böe ist nach ein paar Sekunden vorbei. Nach ein paar weiteren Sekunden die nächste Böe. Wieder Großschot fahren lassen. Silas hechtet. Ich viel langsamer hinterher. Das Segel schlägt. Dichtholen. Silas wieder rein. Böe. Abfallen, Schot loslassen, hechten, wieder dichtholen. Das Fotografieren ist mir längst vergangen. In mir macht sich Panik breit. Die Hosen sind vom überkommenden Wasser schon durchgeweicht. Werden wir heute noch vollends baden gehen? Nur nichts anmerken lassen! Hilft uns keiner? Es sind noch zwei drei andere Boote auf dem Wasser. Wie kommen die zurecht? Die haben wohl anderen Wind? Na klar haben die anderen Wind, kann ja gar nicht anders sein ... Da kommt ein Boot unter Motor auf uns zu. Er bietet uns seine Hilfe an, schleppt uns ab. In Gedanken mache ich drei Kreuze. Der hilfsbereite Bootfahrer gehört zum Jollenstützpunkt. Kümmert sich um alles. Wir bräuchten das Boot nicht in Ordnung bringen. - Ich kann mir denken, dass er es lieber selber macht. Der Jollenverleiher, zwei, drei Stunden zuvor noch ein überaus netter älterer Mitmensch wäscht mir den Kopf. Er hätte sich nicht mehr länger mit ansehen können, wie seine neuen Segel schlagen. Die gehen kaputt. Segel sind teuer. Und mir wollte er die 50,- Euro Kentergebühr ersparen. - Wofür ich ihm dankbar war.
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