Die Korallenschleiferinsel Zlarin
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Kirche von Zlarin
Unter anfangs kräftigem Segelwind strebt Cleo von Jezero auf Murter in Richtung Žirje, wo wir in der tief eingeschnittenen Bucht Veli Stupica die Nacht verbringen, bevor wir am nächsten Morgen mit dem Ziel Zlarin weiter ziehen.
Bevor wir einen Fuß an Land setzen können, müssen wir unsere Cleo rückwärts an die Hafenmauer steuern und gut verzurren. Für einen Sprung auf den Kai stört unser am Heck baumelndes Dingi immer etwas. Das kommt jetzt schön gerade rückwärts an die Kaimauer. Es kommt so wunderbar, genau im rechten Winkel an die Mauer!
Ich bin jetzt schon stolz auf mich. Was bin ich doch für ein toller "Anlegehecht".
Den letzten Rest Zwischenraum zur Mauer kann ich nicht abschätzen. Claudia steht am Heck mit der Achterleine in der Hand. Sicher sind wir gleich an der Mauer. Also rufe ich:
"Spring!"
Keine Reaktion.
Auch kein Problem. Ich kann noch lauter:
"Spriiiiiiing dooooooch!!!"
Herrgott nochmal, sie springt nicht! Bleibt sie doch einfach stehen und schaut nach unten in das Hafenwasser!
Wo ich do sooo stolz auf meine gefahrenes Rückwärtsmanöver bin. 'Mann o Mann', denke ich. Etwas Zorn kann ich hier zugeben. Ja, so ein bißchen von dem Zeugs steigt in mir hoch.
Jetzt muss ich schleunigst bremsen, sonst krachen wir gegen die Mauer. Das Schiff kommt zum Stehen. Ich laufe zu Claudia, schaue in den einen "winzigen" Meter von Wasser, was wir jetzt nach dem Aufstoppen noch haben.
"Wieso springst Du nicht?!" herrsche ich Claudia an. Das wird mir nachher noch leidtun, doch jetzt herrsche ich eben an.
"Weiß Du wie weit das ist? - Das ist mehr als ein Meter! Und dann noch das Dingi!" verteidigt sich Claudia.
"Das könnte meine Uroma besser!" - weiß ich zu berichten.
Und ich habe so ein schönes, ja würdiges, Manöver gefahren. Was mit unserem recht deutlichen Radeffekt ja nun nicht so selbstverständlich ist.
Erneut versuche ich es mit dem Rückwärtsgang. Und was passiert? - Unser Schiffchen dreht sein Heck einfach nur seitlich weg. Gleich werden wir gegen die Segelyacht krachen, welche nun wirklich nicht so dicht bei uns gestanden hat. Also Vorwärtsgang rein und weg hier. Alles noch mal von Vorne.
Die Konoba gegenüber ist gut gefüllt mit Zuschauern, wahrscheinlich ein kompletter Reisebus voll mit Touristen im Rentneralter. Denen ich zu ihrer heutigen Gymnastikstunde verholfen habe: Nacken-Stretching. Ja, soooo lang reckten sie ihre Hälse, um ja nichts zu verpassen. Hafenkino nennt man das im "Seglermund".
Ein Knirschen macht sich zwischen meinen Zähnen bemerkbar. Wahrscheinlich sieht man von mir im Augenblick gar nicht viel mehr als die gefletschten Zähne.
"Warum bist Du nicht gesprungen" zische ich sie zwischen meinen knapp geöffneten Lippen hindurch an. "Die denken noch, wir sind zu blöd zum Anlegen!"
"Ich hab gesagt, dass es mir zu weit ist." Claudia fühlt sich ungerecht behandelt. Zu Recht. Das wiederum weiß mein Urteilsvermögen zu diesem Zeitpunkt noch nicht.
Nun ja, der nächste Anlauf klappt bestens, wir machen fest. Diesmal bin ich einfach näher an die Mauer gefahren, bevor der Motor aufgestoppt wurde. Leider waren alle Gaffer von vorhin nicht mehr in der Konoba.
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Claudia im Hafen von Zlarin
In dieser Konoba nehmen wir Platz. Mein überzogenes Verhalten von zuvor tut mir inzwischen sehr leid. Claudia war im Recht: sie entscheidet, wann sie springt. Ich will sie doch schließlich nicht im Wasser sehen oder gar zwischen Bootsheck und Mauer einklemmen und was noch alles passieren könnte. Mit reuigem Gesicht sage ich ihr das nun auch. Ab sofort klemme ich beim achterlichen Anfahren an die Mauer also lieber unser "Rucksack-Dingi" ein. Dem tut's überhaupt nicht weh. Und wenn - es wird sich bestimmt nicht beschweren ...
Die "goldene Insel" Zlarin, die wegen ihrer Schönheit oft so genannt wird, ist als Korallenschleiferinsel bekannt geworden. Heute findet man nur noch in großen Tiefen Korallenstöcke, so dass schon seit über 80 Jahren auch hier kaum mehr dieses filigrane Kunsthandwerk ausgeübt wird. Wir hoffen dennoch Victor, den letzten Korallenschleifer in seinem 300 Jahre altem Haus anzutreffen. Aus der Reiseliteratur wissen wir, dass er gut deutsch spricht und sich gerne bei seiner Arbeit zusehen lässt. Sein kleines Korallenmuseum gegenüber seinem Haus wollen wir auch besuchen. Leider ist beides geschlossen. Ein Nachbar erklärt uns per Deutsch/Englisch/Zeichensprache-Mischmasch: "Museum Leut kaputt" wobei er sich mit dem Zeigefinger an der Kehle entlang fährt. Etwas schwer von Begriff fragen wir noch eine weitere Ortsbewohnerin mit ihren Einkaufstaschen (als der gesprächige Nachbar außer Sichtweite ist). Sie erklärt uns, in mäßigem Deutsch, dass sehr viel besser ist als unser nicht vorhandenes kroatisch, dass Victor vor zwei Jahren von einem Einbrecher überwältigt und ermordet wurde. Das schockt uns und tut uns sehr leid.
Warum so etwas?
Der alte Korallenschleifer hatte nach unserer Information die Siebzig schon weit überschritten.
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Zlarin, hinteres Hafenbecken
Und dann musste er offenbar so tragisch enden. Uns bleibt nur ein Blick durch die schmalen Glasfenster der Eingangstür in das Innere des winzigen Museums.
Wir entdecken etwas anderes, eine ebenfalls winzige "Galerie" auf der Insel, mit der sich eine amüsante, besondere Geschichte verbindet.
Mit vielen Eindrücken von dieser doch eher kleineren kroatischen Insel verlassen wir am nächsten Morgen den Hafen und steuern in Richtung unseres nächsten Ziels: Trogir.
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Bucht Stupica Vela (Insel Žirje) (43° 37,7'; 015° 41,9'): hier werden im Sommer bis zu 30 Festmachebojen ausgebracht. Mehr Bojen erlaubt der konzessionsgebende Staat Kroatien dem Betreiber nicht, von der Größe un Tiefe der Buchtwäre sogar noch mehr machbar. Wir bezahlten 100 Kuna pro Nacht, was meines Wissens dort der Einheitspreis für alle Yachten und Crews war. Hinten links befindet sich die Konoba Stupica Vela. Wir haben sie jedoch nicht ausprobiert.
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Der Hafen von Zlarin bietet mehrere Anlegestellen mit Moorings, die offenbar alle vom "Yachtclub Zlarin" verwaltet werden. Die Übernachtung unserer Cleo kostete uns 234 Kuna. Keine Sanitäranlagen. Die Hafenumgebung ist durch die vielen ursprünglichen Gebäude, die sich um das Hafenbecken gruppieren, jedoch schon wegen der mediterranen Kulisse ein Anlegemanöver wert. Das Wasser im Hafenbecken ist aufgrund des fast ungehinderten Austausches mit dem Meerwasser und auch der beachtlichen Tiefe von 5 Metern (lt. HHB nur 3 Meter) durchaus zum Schwimmen geeignet. Nachteil: bei westlichen Winden ist sicherlich mit starkem Schwell zu rechnen.
Direkt gegenüber von Zlarin befindet sich die Insel Prvic mit dem Hafen Prvic Luka. Informationen zu diesem Hafen findet Ihr hier.
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