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6. Zurück durch Kroatien

6. Zurück durch Kroatien

Mali Lošinj - Werkstattgeschichten: Was lange währt ...

Leuchtturm bei Mali Lošinj

Leuchtturm bei Mali Lošinj. Als Cleo diesen Punkt umrundet hat, ist sie schon ganz nah ihrer Heimat.

Der Marinero mit dem orangefarbenen Poloshirt nimmt unsere Achterleine entgegen:

"Is this Cleo?" fragt er, als er uns seinerseits die Mooringleine übergibt.

Ja, sie ist es. Wir freuen uns, der Marinero gehört zur Marina in Mali Lošinj. Hier ist Cleo zu Hause, hier wird ihr geholfen werden. Prompt wurde die weiße Gestalt der Dufour 3800 mit dem schrägen Spiegelheck vom ersten Marinero nach über drei Monaten Abwesenheit wiedererkannt. Obwohl der übergroße Namensschriftzug am Heck durch das dort angebundene Gummiboot vollständig bedeckt ist.

Wir fühlen uns dementsprechend sofort wohl und richtig hier. Am Vormittag waren wir noch in einer Ankerbucht an der Westseite von Lošinj, und jetzt ist es schon nach fünfzehn Uhr, das Werkstattbüro hat bereits geschlossen. Das Boot kann heute nicht mehr zur Reparatur angemeldet werden. Hauptsache wir fühlen uns und unser Schiff fürs Erste gut aufgehoben hier.

Noch.

Am nächsten Morgen melde ich Cleo in der Werkstatt an. Ich erfahre, was ich von meiner telefonischen Erkundigung bereits von der Insel Iž her längst wusste: jetzt in der Hochsaison ist sehr viel Arbeit für die Werkstatt und die Mechaniker.

Am Mittag kommt Branko, der Mechaniker, den ich am Steg angesprochen habe. Gemächlich schiebt er sich über den Steg. Brankos 100 Kilo-Fülle zeigt sich besonders an der Mitte seines Körpers, die am unteren Rand seines sonnengebleichten T-Shirts den Bauchnabel und auch noch etwas mehr behaarte Haut sehen läßt. Am schütteren Haar seiner hohen Stirn bahnen sich Schweißtropfen ihren Weg zum Hals und lösen sich am Kragen seines T-Shirts auf.

"Hält mich das Brett wirklich?" fragt er vorsichtig und tastet sachte mit einem Fuß auf unsere Gangway-Planke.

"Ja klar, ich wiege fünfundneunzig Kilo und das Brett ist noch nie zerbrochen." beruhige ich ihn. Nun ja, die fünfundneunzig habe ich schon lange nicht mehr. Fünf Kilo sind mir auf unserer Segeltour abhanden gekommen. Zu wenig Bewegung an Bord, da verabschieden sich insbesondere die Muskeln so nach und nach.

"Ich wiege über einhundert Kilo!" wendet Branko ein, hat aber trotzdem den ersten Schritt bereits gewagt und hangelt sich jetzt schnell bis zur Heckreling.

Wir verschwinden beide im Salon, ich öffne die Niedergangstreppe und erkläre dem Mechaniker, was der Motor so tut. Und was nicht.

"Vermutlich ist der Wärmetauscher der Zweikreiskühlung undicht." schließe ich meine kurze Schilderung. "Ich starte den Motor mal kurz."

"Nicht nötig, das ist ganz sicher der Wärmetauscher." resümiert Branko aus meiner Erzählung und erklärt, dass er es jetzt nicht sofort machen kann. Heute ist Donnerstag. Vielleicht könne er es Samstag machen? – Er müsse erst noch sehen, was der Chef dazu sagt.

Hmh.

Marina Mali Lošinj: Gewirr aus Kränen und Werkstatthallen

Marina Mali Lošinj: Gewirr aus Kränen und Werkstatthallen. Wenn wir hier nicht geholfen bekommen ...

Am Freitag werde ich von der Büroangestellten über das Marinagelände zur Suche von Branko geschickt. Sie wisse nichts von meinem Fall, doch der Mechaniker würde hier irgendwo auf dem Marinagelände stecken. Ich finde Branko nicht. Keiner der anderen will wissen, wo er gerade ist.

Am Samstag kommt er auch nicht, niemand von der Werkstatt ist da. Und Sonntag natürlich auch nicht.

Am Montag laufe ich ihm wieder nach, bis er endlich kommt. Er baut heute Nachmittag den Wärmetauscher aus, zumindest bemüht er sich. Schweres Atmen dringt aus der Backskiste, dass ich fast schon ein schlechtes Gewissen ob meiner bequemen Warteposition im Salon habe. Jeder der wenigen Hammerschläge auf den Kopf des Wärmetauschers wird zudem von einem ächzenden Laut aus Brankos Kehle begleitet. Nach zwanzig Minuten Schwitzen, Stöhnen und Fluchen gibt er auf. Das Teil hat sich verklemmt.

Am Dienstag Morgen kommt er erneut. Mit ihm erscheint Robby, der auch ein Freund unseres Vercharterer ist und zumindest mal nach dem Rechten schauen will. Robby und Branko kennen sich. Gemeinsam bekommen sie den Wärmetauscher heraus, Robby hat Ahnung von der Materie. Das merken wir sofort. Dann ist Robby weg. Er hat andere Arbeit, gehört auch nicht der Werkstatt oder der Marina an. Leider.

Branko kommt am Mittwoch gegen elf Uhr. Es ist also wiederum ein Tag verstrichen. Er hat einen gebrauchten Ersatzwärmetauscher dabei. Der ist ganz offensichtlich zwei Nummern zu groß und niemals von einem Volvo Penta 2020. Er tut ganz verdutzt. Hält das dicke Teil dennoch an die viel zu kleine Öffnung unseres Motors und überlegt, wie es reinpassen könnte. Ich dreh’ mich weg. Das kann sich ja keiner ansehen! Er verabschiedet sich wieder, kommt jedoch schon kurz vor ein Uhr zurück. Und hat nun mittels Druckprüfung festgestellt, dass unserer Wärmetauscher überhaupt nicht defekt ist. Ob ich denn das mit dem auslaufenden Wasser richtig gesehen hätte.

Der verschmutzte Krümmer

Der verschmutzte Krümmer

Bitte? – Na klar hab ich das richtig gesehen! Warum er sich den Motor, als er noch nicht auseinandergebaut war, denn nicht selbst angesehen hat, als ich ihn vorführen wollte. Ich bin platt. Schade um die nutzlos verschwendete Zeit!

Er baut den Wärmetauscher also wieder ein, ich starte den Motor und befinde, dass nun fast kein Wasser mehr aus dem Auslauf hinten am Schiff kommt. Das kann nicht gesund sein!

Jetzt schraubt er den Krümmer ab. In diesem Teil werden bei dem Schiffsmotor das kühlende, durchlaufende Salzwasser und die Abgase aus dem Hubraum gemischt. Deswegen sieht man bei Schiffen selten eine Abgas-Rauchentwicklung. Er bläst dann den Krümmer mit seinem Mund kurz durch und befindet, dass der total dicht ist.

"Was wird nun, haben Sie solch ein Ersatzteil auf Lager. Oder können Sie es bestellen? Oder Reinigen?" möchte ich wissen.

"Reinigen, reinigen" äfft mich Branko nach. "Ich muss Chef sprechen."

"Ja, sprechen Sie mit ihrem Chef. Wir wollen übrigens wieder weg hier von Mali Lošinj."

"Wieso, ist kein Urlaub mehr da?" fragt mich Branko.

Ich bin platt. Eine ähnliche Geschichte hatte mir Thomas von der Red Lagoon bereits erzählt. Nur ist es ihm in Zadar passiert. Dass Urlaub unsere teuerste und nicht ganz unwichtige Zeit im Jahr ist, das versteht hier im Lande anscheinend kaum einer.

Er verschwindet kurz vor zwei Uhr von unserem Schiff. Und ward den ganzen Tag nicht mehr gesehen.

Segelregatta in Mali Lošinj

Zur Ablenkung: Start einer jährlichen Segelregatta in Mali Lošinj

Am nächsten Morgen reicht es auch Claudia. Sie ist resoluter und energischer als ich und geht die Sache entprechend dringend und zackig an. Zuerst läuft sie ins Büro des Werkstattchefs. Er ist nicht da, das Büro ist abgeschlossen. Sie läuft ins Büro der Marina um nach ihm zu fragen. Dort ist er auch nicht. Sie läuft in das benachbarte Restaurant. Dort findet sie ihn am Tisch sitzend mit einem anderen, ihr unbekannten Mann. Und befragt ihn nach dem Fortschritt der Reparaturarbeiten an unserem Motor.

"Wir haben keinen passenden Wärmetauscher." antwortet er.

"Um den geht es doch gar nicht mehr, sondern um ein anderes Teil!"

Er werde sich darum kümmern, ist seine Antwort, die mir Claudia dann überbringt.

Wieder passiert nichts. Gegen elf laufe ich in die Werkstatt, finde Branko und zwei andere an der Werkbank.

"Dobar dan!" ist meine Einleitung (Guten Tag).

Nichts, Branko schaut auffällig in eine andere Richtung.

"Dobar dan!" ist meine Wiederholung der Einleitung.

Niemand sagt etwas, bis Branko, sichtlich erregt antwortet:

"Dobra veće!" (Guten Abend).

Was soll das? Plötzlich greift sich Branko das gestern ausgebaute Teil, welches er auf Anhieb auf der mir unbegreiflich "gegliederten" Werkbank findet und stürzt damit auf mich zu.

"Sie waren im Büro von Chef!" keucht er.

War ich zwar nicht, sondern Claudia. Aber es scheint ihn völlig aufgeregt zu haben.

"Teil ist kaputt, geht nicht mehr."

"Ich weiß. Das wussten Sie und ich doch auch schon gestern Mittag." entgegne ich. "Doch irgendwie muss der Motor wieder laufen. Deswegen bin ich hier." Das Ziel seiner und meiner Bemühungen hat Branko meines Erachtens nicht begriffen. Der Motor soll laufen, nicht unsere kostbare Urlaubszeit davonlaufen.

Er drückt mir grimmig den Krümmer in die Hand und sagt: "Geh zu Chef. Geh zu Chef."

Das mache ich jetzt auch sofort und stürme ebenfalls erbost aus diesem Affenstall hinaus, über das Marinagelände in Richtung Werkstattbüro. Dort sitzt der Chef an seinem vollbepackten Schreibtisch und telefoniert. Irgendwann legt er auf, denke ich. Dann haue ich ihm das Gusseisenteil auf seinen wüsten Schreibtisch, nehme ich mir aufgebracht vor. So etwas mache ich normalerweise nicht. Nicht, weil ich so was nicht mal machen würde. Nein, weil ich mich so einen Knallauftritt üblicherweise gar nicht traue. Doch heute trau ich mich!

Es warten vor dem Büro noch zwei Männer auf ein Gespräch mit dem Chef. Sie schauen mich etwas vorsichtig an. Ich habe nichts gesagt, doch sie müssen gespürt haben, das ich koche. Ich siede.

Er legt den Hörer auf, ist fertig mit dem Gespräch. Ich frage nicht, ob ich an der Reihe bin, sondern stoße die Bürotür auf, hole mit dem Gusseisenteil aus und lasse es mit etwas weniger Schwung als beabsichtigt auf einen kleinen Stapel von Katalogen sausen. Das mit der Tischplatte hätte ich dann doch nicht gemacht. War ja auch nicht möglich, denn eng um die Tastatur seines PC’s liegen Papiere und anderer Kram herum.

"Was soll der Mist?" frage ich ihn. "Haben wir jetzt einen Reparaturauftrag miteinander oder nicht?" will ich wissen.

Er bleibt ganz ruhig. Das ist ja zum kotzen, finde ich. Bleibt der glatt ganz gelassen in seinem Sch.. Sessel sitzen, schaut mich ruhig an und sagt:

"Das Teil haben wir nicht da, muss erst noch bestellt werden. Und heute ist Feiertag."

"Soso, Feiertag, erst noch bestellen. Seit gestern vierzehn Uhr weiß Branko davon! Können Sie hier überhaupt Motoren reparieren oder was machen Sie hier eigentlich?" – Jetzt gehe ich vielleicht etwas zu weit, doch irgendwo muss doch auch in dieser Werkstatt ein wenig Berufsehre herauszukitzeln sein.

Er bleibt weiterhin ruhig, erhebt sich und geht an mir vorbei zu den beiden anderen Wartenden. Er wendet sich ihnen zu und setzt an, mit ihnen zu sprechen. Ich glaub’, ich seh’ nicht recht. Stelle mich sofort dazwischen, und wiederhole meine Frage, ob diese Werkstatt denn überhaupt in der Lage ist, Motoren zu reparieren.

Seine stoische Ruhe kann ich nicht erschüttern. Der Mann schaut durch mich hindurch und schafft es, mit den beiden anderen zu reden, obwohl ich genau zwischen ihnen stehe.

Ich stapfe davon. Hier passiert sicher kaum mehr etwas für uns. Es ist Mittwoch und heute Abend oder Morgen früh erwarten wir unseren Vercharterer. Er wird sich darum kümmern. Ich renne hier offenbar nur Berufsstolz ein, wo keiner ist.

Am nächsten Morgen, acht Uhr dreißig schaue ich verschlafen aus unserem Niedergang heraus, als ich unseren Vercharterer heranlaufen sehe. Unseren Krümmer bereits in der Hand, kommt er geradewegs aus Richtung Werkstatt. Mitten in der Nacht ist er aus Deutschland angekommen, und rührig wie er offenbar ist, schaltet und waltet er. Ich weiß: jetzt geht es voran mit der Reparatur.

Und so passiert es auch. Nach einem Gespräch mit ihm sagt er, dass er alles in die Hand nimmt. Und wir müssten nicht auf dem Schiff bleiben, können uns quasi frei nehmen. Kein Warten auf die so raren Handwerker mehr. Also nehmen wir uns frei und machen einen Ausflug mit dem PKW. Und schon kurz nach elf Uhr kommt eine SMS von ihm:

"Bin fertig."

Was hat er gemacht? – Er hat in Hamburg bei Volvo Penta angerufen, nach dem Krümmer gefragt, welcher mit der Post mehrere Tage bis nach Mali Lošinj brauchen würde. Doch die Volvo-Leute gaben ihn den entscheidenden Tipp: Den Krümmer mit heißem Wasser und Zitronensäure durchspülen. Das hat er dann zwei Stunden lang gemacht. Und er hat das Teil selbst wieder eingebaut. Und es hat geholfen. So viel Wasser, wie jetzt, kam selbst zum Start unseres Törns im Mai nicht aus unserer Dufour. Klasse.

An die Werkstatt bezahlen wir nichts, an die Marina für unseren langen Aufenthalt schon.

Anmerkung: Der Mechaniker Branko heißt in Wirklichkeit nicht Branko; seinen Namen habe ich aus "Fairnessgründen" geändert.

Sonnenuntergang vom Stadthafen in Mali Lošinj aus gesehen

Sonnenuntergang vom Stadthafen in Mali Lošinj aus gesehen

Für Skipper

Marina Mali Lošinj auf Google-Maps  
Marina Mali Lošinj: Diese Marina liegt genau neben dem Privlaka Kanal, durch den Schiffe ohne Umrunmdung der langen Inseln Lošinj und Cres von Ost nach West und umgekehrt fahren können. Die Brücke öffnet täglich um 09:00 und 18:00 Uhr. Ein Brückenwart regelt den Verkehr.

Seit Sommer 2009 hat diese Marina einen neuen, modernen Teil nördlich des Privlaka Kanals; südlich befindet sich weiterhin der alte Teil. Die Preise beiderseits sollen unterschiedlich sein, der neue Teil ist teurer. Jedoch ist der alte Teil nicht ausreichend groß und dort liegen zum großen Teil Dauerlieger. Insbesondere größere Yachten wurden nach meiner Beobachtung in den neuen Teil verwiesen.

Die Marina verfügt über gute Sanitäranlagen, ein kleiner Supermarkt ist direkt daneben und das Restaurant bereitet echt leckere Grillspeisen.

Über die angeschlossene Marinawerkstatt habe ich oben bereits genügend Worte verloren. Für unsere Cleo bezahlten wir pro Nacht 287,-Kuna. Unser Charterschiff hat diese Marina zwar als Heimathafen, jedoch hat der Vercharterer aufgrund unseres Langzeittörns das Schiff für die Dauer unser Abwesenheit abgemeldet, weshalb wir nicht in den Genuß von kostenlosem Liegen kamen. Schade, bei unserem langen (Zwangs-)Aufenthalt ...

Alternativ gibt es noch den Stadthafen, der ebenfalls über zahlreiche Liegepätze für Yachten verfügt. Anscheinend gibt es dort auch Duschmöglichkeiten, denn ich sah etwas verwundert viele der Yachties mit Bademantel und Kulturtasche über die Strassen spazieren.

 

 


Video auf DVD: http://www.segelfilmer.de/Shop/Adriakueste.html

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